Business Development extrem

Handshake

Business Development beschreibt in der Regel das organische Wachstum eines Unternehmens durch Kunden, Märkte und Geschäftsbeziehungen sowie die dadurch bedingte Notwendigkeit der Unternehmensentwicklung, um den internen Anforderungen an das Unternehmen durch die externen Ansprüche der Geschäftsentwicklung gerecht werden zu können.

Doch Wachstum kann auch im Zuge von Fusionen (engl. Mergers) oder Übernahmen (engl. Acquisitions) erreicht werden. Letzteres führt in diesen Tagen zu einigen Schlagzeilen hinsichtlich der anstehenden Übernahme des US-amerikanischen Saatgutherstellers MONSANTO durch den deutschen Chemieriesen BAYER. Mit einem Kaufpreis von rund 66 Mrd. Euro wäre dies die wohl teuerste Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte bis dato.

Laut Medienberichten würde der BAYER-Konzern somit zum Weltmarktführer in der Agrarchemie aufsteigen. Durch weiter Konsolidierungen im Markt wäre das globale Geschäft mit Pflanzenchemie und Saatgut mittelfristig nur noch von vier großen Anbietern dominiert, zum Nachteil der Kunden. Daher regt sich erwartgunsgemäß Widerstand gegen die geplanten Übernahme. Das letzte Wort liegt jetzt bei Kartellamt und Aufsichtsbehörden.

Das Business Development in seiner extremen Form durch Fusionen und Übernahmen ist nicht neu. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es regelrechte Konsolidierungswellen in unregelmäßigen Abständen, trotz überschaubarer Erfolgsraten. Hauptmotivationen sind meist angestrebte Kosten- oder Umsatzsynergien.

Bei der MONSANTO-Übernahme geht es BAYER-Chef Werner Baumann nach eigenen Angaben vorwiegend um wachstumsgetriebene Verbindung.

Eine wachstumsgetriebene Übernahme als Maßnahme des Business Developments ermöglicht einen schnellen Zugang zu neuen Kunden, Märkten und Geschäftseziehungen. Produktportfolios können, je nach strategischem Intent, entweder diversifiziert oder konsolidiert werden.

Auf der Unternehmensseite jedoch gestaltet sich die Integration oft schwierig und ist meist von einem Arbeitsplatzabbau im Rahmen einer Verschlankung des übernommenen Unternehmens begleitet. Zudem ist eine Übernahme stets mit Risiken verbunden, die bei dieser Größenordnung nicht alle erkannt und bewertet werden können. Im Falle von MONSANTO können dies beispielsweise die umstrittenen, genveränderten Saatprodukte sein und die daraus entstehenden juristischen Folgekosten insbesondere bei Klagen in den USA. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher (Unternehmens-)Kulturen kann ein Übriges tun, um eine erfolgreiche Integration zu erschweren oder sogar zu verhindern.

 

Auswirkungen auf Kunden, Märkte und Beziehungen

Fusionen und Übernahmen als Maßnahmen der anorganischen Geschäftsentwicklung können verschiedene Auswirkungen auf Kunden, Märkte und Geschäftsbeziehungen haben.

Zum einen kann sich aufgrund von Konsolidierungen innerhalb eines Marktes die Marktstruktur nachhaltig ändern: Weniger Wettbewerber teilen sich nun den Markt, die Marktanteile der größeren Wettbewerber steigen. Dies kann, wie im Fall der Agrarchemie, zu einer Marktdominanz weniger großer Anbieter führen.

Durch weniger Anbieter steigt die Marktkonzentration. Dies führt meist zu weniger Wettbewerb und somit zu höheren Preisen. Für den Kunden ist eine hohe Marktkonzentration also nachteilig. Desweiteren kann eine Übernahme den Ruf einer Marke auch schädigen und sich somit negativ auf das Käufer- oder Nutzerverhalten auswirken, wie beispielsweise bei der Übernahme von WhatsApp durch Facebook 2014.

Ein durch Übernahmen oder Fusionen gewachsenens Unternehmen schliesslich gewinnt an Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten und Abnehmern. Dies kann einerseits zu besseren Konditionen im Einkauf führen und dadurch die Produktionskosten senken. Andererseits, wie man im Zuliefererstreit mit VW sehen konnte, kann eine überproportionale Asymmetrie in der Verhandlungsmacht die Wertkette nachhaltig stören.

 

Auswirkungen auf das Unternehmen

Die Auswirkungen von Übernahmen und Fusionen auf die beteiligten Unternehmen sind vielfältig. Zum einen entstehen in der Regel hohe Kosten und eine große finanzielle Belastung, was unter anderem zu einer Veränderung der Kapitalstruktur des gewachsenen Unternehmens führt. Zudem hat sich gezeigt, daß Unternehmen oft zu optimistisch bei der Beurteilung von Amortisation und Rentabilität von Konsolidierungen sind, was zu finanziellen Engpässen in der Zeit nach der Übernahme führen kann.

Ein weiterer Aspekt ist die Integration der funktionalen Bereiche, die oft doppelt vorhanden sind und verschlankt werden müssen. Dies wird oft nur über Stellenabbau realisiert. Zudem ist eine Integration zweier operierender Großunternehmen administrativ sehr komplex und aufwendig und verlangt viel Zeit und Aufmerksamkeit vom Management sowie der Belegschaft.

Und schliesslich stellen unterschiedlichen Unternehmenskulturen und deren Kompatibilität einen weiteren, nicht zu unterschätzender Faktor über den Erfolg oder Misserfolg von Konsolidierungen dar.

 

Was bedeutet das für mein Unternehmen?

  • Übernahmen und Fusionen stellen Maßnahmen des anorganischen Wachstums dar
  • Motivationen sind meist Kosten- und/oder Umsatzsynergien
  • Schneller Zugang zu neuen Märkten, Kunden und Geschäftsbeziehungen ist dadurch möglich
  • Geringe Erfolgsquoten machen Übernahmen und Fusionen allerdings zu riskanten Unterfangen
  • Die finanzielle Belastung macht Konsolidierungen meist nur für größer Unternehmen interessant
  • Die Integration zweier operierender Unternehmen ist komplex und aufwendig

 

---

Wie immer freue ich mich über Ihr Feedback und Ihre Erfahrungsberichte. Nutzen Sie dazu als Mitglied die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrags, oder tauschen Sie sich im Forum mit anderen Mitgliedern zu diesem oder weiteren relevanten Themen aus.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Unternehmen besser machen.

Herzlichst, Ihr

Dirk M. Hellmuth