Betriebliches Finanzmodell

Die Welt der Finanzen ist komplex und verwirrend. Die wenigsten Unternehmer sind in diesem Bereich formell ausgebildet oder geschult. Dennoch muss man als Inhaber, Geschäftsführer oder Manager stets die Finanzen des Unternehmens im Auge behalten und diesbezüglich teils folgenschwere Entscheidungen treffen: Umsatz, Kosten, Erträge, Margen, Cashflow, Debitoren, Finanzierung, Rendite, Steuern, usw... .

Wäre es nicht schön, wenn man einmal einen Überblick hätte über das Unternehmen aus finanzwirtschaftlicher Sicht? Klar, es gibt das Controlling, die Buchhaltung und die Steuerberater, die ihren Teil dazu beitragen, die Finanzen des Unternehmens zu planen, zu steuern und ordnungsgemäß zu dokumentieren. Auf der anderen Seite gibt es die offizielle Darstellung der Finanzen eines Unternehmens in Form der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA), der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung. Aber wie passt das alles zusammen? Wie beeinflusst oder bedingt das Eine das Andere?

Das betriebliche Finanzmodell versucht hier Abhilfe zu schaffen. Es stellt die Finanzen eines Unternehmens vereinfacht im Gesamtzusammenhang dar und ermöglicht so einen verständlichen Überblick, egal ob es sich um eine Ein-Personen-GmbH oder um eine Aktiengesellschaft handelt.

Betriebliches Finanzmodell

Mittelherkunft

Die Mittelherkunft (Passiva) beschreibt die mögliche Quellen finanzieller Mittel eines Unternehmens. Hier unterscheidet man zwischen Fremdkapital und Eigenkapital. Fremdkapital ist in der Regel geliehenes Kapital und beschreibt beispielsweise ein langfristiges Darlehen von Kreditgebern (z.B. Banken) oder einen kurzfristigen Lieferantenkredit in Form von Zahlungszielen (z.B. 30 Tage). Zinsen für Fremdkapital verursachen Kosten für das Unternehmen und schmälern den Gewinn.

Eigenkapital ist das Kapital, welches dem Unternehmen gehört. Dies beinhaltet zum einen das Stammkapital, d.h. die Einlagen der Gesellschafter im Tausch für Anteile am Unternehmen, und zum anderen die Rücklagen, welche aus zurückbehaltenen (thesaurierten) Gewinnen gebildet werden.

Fremdkapital und Eigenkapital bilden zusammen das Gesamtkapital eines Unternehmens. Das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital beschreibt den Verschuldungsgrad eines Unternehmens und fließt beispielsweise in die Entscheidungsfindung potenzieller Kreditgeber und Investoren mit ein.

 

Mittelverwendung

Die Mittelverwendung (Aktiva) beschreibt die Verwendung der finanziellen Mittel im Unternehmen. Hier wird unterschieden zwischen dem (langfristigen) Anlagevermögen und dem (kurzfristigen) Umlaufvermögen. Das Anlagevermögen entspricht den Produktionsmitteln oder Wertgegenständen, die dem Unternehmen gehören. Dies sind beispielsweise Dinge, die für die Herstellung oder Verarbeitung notwendig sind und nicht selbst zum Warensortiment gehören, wie z.B. Maschinen, Anlagen, Werkzeuge, Prozesse, Infrastruktur oder Gebäude.

Das Umlaufvermögen beinhaltet vereinfacht gesagt die Produktionsmaterialien oder Warenbestände, die zur Weiterverarbeitung oder zum Weiterverkauf eingekauft werden. Hierzu gehören beispielsweise Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, Halbfabrikate, Fertigprodukte oder Waren.

Anlage- und Umlaufvermögen als Mittelverwendung ermöglichen also die Herstellung oder den Erwerb von Produkten. Der Verkauf dieser Produkten wiederrum führt zu Umsatzerlösen. Von diesen Umsatzerlösen werden die laufenden Kosten des Unternehmens beglichen, wie z.B. die Lohnkosten für Mitarbeiter, Energiekosten oder administrative Kosten. Die kalkulatorischen Kosten für das Sachanlagenvermögen in Form von Abschreibungen (= Anschaffungswert verteilt über mehrere Jahre) werden ebenfalls hier verbucht.

Nach Abzug der Kosten bleibt das Betriebsergebnis, oder EBIT (Earnings before interest and tax). Dieser Wert wird auch operativer Gewinn genannt und stellt einen wichtigen Wert beispielsweise bei der Berechnung der Rendite dar. Vom Betriebsergebnis werden dann Zinsaufwendungen (für Fremdkapital) abgezogen und/oder Zinserträge (aus Investitionen) addiert. Abschliessend werden noch die Unternehmenssteuern abgezogen.

Der verbleibende Wert stellt den Gewinn oder Verlust des Unternehmens dar. Im Falle eines Überschusses kann eine Auszahlung an die Teilhaber vorgenommen werden und/oder Gewinn als Rücklagen in das Eigenkapital zurückgeführt (thesauriert) werden.

 

Jahresabschluss

Die Mittelverwendung (Aktiva) und die Mittelherkunft (Passiva) werden zu einem bestimmten Stichtag in der Bilanz gegenübergestellt und müssen den gleichen Gesamtwert haben, d.h. es gilt die Gleichung Summe Aktiva = Summe Passiva.

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) stellt die Erträge (angefangen von Umsatzerlösen) und Aufwendungen eines bestimmten Zeitraumes durch die Mittelverwendung dar.

 

Was bedeutet das für mein Unternehmen?

  • Das betriebliche Finanzmodell kann als Grundlage der Kommunikation mit dem Controlling, der Buchhaltung und dem Steuerberater dienen. So können alle dieselbe Sprache sprechen.
  • Das Modell kann als Ausgangspunkt zur Planung und Steuerung der unternehmerischen Aktivitäten genutzt werden. So können Auswirkung von Veränderungen anschaulich und verständlich dargestellt werden.
  • Das Modell kann zum besseren Verständnis des Gesamtzusammenhanges verwendet werden

 

Disclaimer

Dieser Beitrag sowie das betriebliche Finanzmodell sind rein informativ und vereinfacht, und stellen keinerlei steuerrechtliche Beratung dar.

 

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Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Unternehmen besser machen.

Herzlichst, Ihr

Dirk M. Hellmuth