Fair Parken?

Parken

Ein kürzlicher Kinobesuch in Düsseldorf machte mich bekannt mit einem Geschäftsmodell, welches sich bundesweit wachsender Beliebtheit zu erfreuen scheint.

Beim Verlassen des dem Kinos angrenzenden Parklatzes bemerkte ich einen Zettel am Scheibenwischer meine Autos. Da ich mit einem der nicht unüblichen Werbeflyer gerechnet hatte, war mein Erstaunen umso größer, als es sich um eine "Strafzettel" für das Parken ohne Parkschein in Höhe von €19,90 handelte. Ausgestellt wurde diese Forderung über Vertragsstrafe von der Firma Fair Parken GmbH mit Sitz in Düsseldorf.

Der bis dato über Jahre hinweg kostenfreie (und großräumige) Parkplatz kann nunmehr nur noch mit Parkschein benutzt werden, wie ich auf einem unscheinbaren Schild an der Einfahrt zum Parkplatz zwischen anderen Schildern dann auch nachlesen konnte.

 

Das Geschäftsmodell

Durch eine kurze Nachforschung erschloss sich mir dann auch recht schnell das dahinter stehende Geschäftsmodell: Die sogenannte "private Parkraumbewirtschaftung". Hier lassen vor allem Supermärkte ihre Parkplätze von privaten Kontrolleuren überwachen, um wie es heißt, Belegung von Kundenparkplätzen durch Fremd- und Dauerparker zu reduzieren. So wird durch die Schilder an der Einfahrt dem Fahrer mitgeteilt, dass durch das Befahren des Parkplatzes ein Vertrag mit dem Bewirtschaftungsunternehmen zustande kommt. Meist ist die Benutzung des Parkplatzes auf 1,5 - 2,5 Stunden beschränkt und muss durch das Auslegen einer Parkscheibe nachgewiesen werden. (In anderen Fällen, wie dem Kinoparkplatz, ist die Nutzung sogar nur noch gegen Entgelt möglich.)

Wird diese Dauer überschritten oder wird keine Parkscheibe ausgelegt (oder außerhalb der Markierungen geparkt), so droht eine "Vertragsstrafe" durch den Bewirtschafter. Die Höhe dieser privaten Vertragsstrafe ist beschränkt auf höchstens das doppelte einer vergleichbaren, öffentlichen Geldbuße. Das bedeutet, gilt in meiner Stadt ein Bußgeld von €10,- für öffentliches Falschparken, so kann die private Vertragsstrafe höchsten das doppelte, also maximal €20,- betragen, um rechtlich zulässig zu bleiben.

Interessanterweise scheint es aber hier einen Weg zu geben, dies zu umgehen: So wird auf dem "Strafzettel" darauf hingewiesen, dass die Forderung um weitere €10,- erhöht wird für den Mehraufwand zur Halterermittlung und Bearbeitungfalls, falls der Betrag nicht innerhalb von 14 Kalendertagen überwiesen wird. Somit wäre man dann schon bei dem dreifachen des öffentlichen Bußgeldes, also insgesamt €30,-.

 

Wie ist die rechtliche Sicht?

Aus rechtlicher Sicht gibt es dann wohl auch durchaus diverse Angriffspunkte: Zum einen wird oft die Größe der Schilder am Eingang bemängelt. So muss ein Autofahrer bei der Einfahrt auf den Parkplatz die auf dem Schild ersichtlichen AGB klar und deutlich erkennen und lesen können, damit ein gültiger Vertrag überhaupt zustande kommen kann. Dies scheint jedoch nachweislich oft nicht der Fall. Des weiteren gilt das bloße Anheften eines "Strafzettels" an den Scheibenwischer eines Autos nicht als Zustellung im rechtlichen Sinne (Was passiert beispielsweise bei starkem Regen, Wind oder einer Entfernung des Zettels durch Dritte?). Auch geht der Halter keinen Vertrag mit dem Bewirtschaftungsunternehmen ein, sondern nur der Fahrer, der mit dem Auto den Parkplatz befährt. (Für weiterführende Information habe ich am Ende dieses Beitrag Links zu verschiedenen Webseiten zu diesem Thema zusammengestellt.)

Alles in allem bleibt bei diesem Geschäftsmodell ein fader Beigeschmack, und die Darstellung vom fairen parken erscheint dann doch sehr ironisch.

 

Interessenkonflikt

Mit Blick auf die Gewinnabsicht dieses Geschäftsmodells wird deutlich, daß die Interessen vom Geschäftsbetreiber und Parkplatzbewirtschafter hier weit auseinander gehen. Während der Geschäftstreibende seinen Kunden möglichst viele freie Parkplätze anbieten möchte, verdient der Parkplatzbewirtschafter sein Geld mit Vertragsstrafen und somit dem Unwissen der Kunden. Die Interessen der Kunden werden vorgeschoben, um letztendlich zu Lasten eben dieser Kunden Geld zu verdienen.

 

Kundenfreundlich ist anders

Meiner Ansicht nach tun sich Geschäfte, die auf diese Art der Parkplatzbewirtschaftung zurückgreifen, keinen Gefallen. Natürlich kann es gerade bei innerstädtische Parkplätzen zu Engpässen kommen, aber bei großräumigen Parkplätzen außerhalb der Stadt entsteht dann doch sehr der Eindruck der Geldmachei. Wie dem auch sei, der Frust und Ärger über Vertragsstrafen fallen letztendlich auf die Geschäfte selber zurück und diese werden dann mit den von vielen als "Abzocke" empfundenen Praktiken in Verbindung gebracht. So leidet am Ende nur der eigene Ruf.

Denn betrachtet man das ganze einmal aus der Kundensicht, muss man ganz klar sagen: Als Kunde wird mir der Einkauf erschwert. Unter der Prämisse "Lernen durch Schmerz" muss ich mein Einkaufsverhalten ändern (z.B. auf Schilder achten, Parkscheibe benutzen, Zeit im Auge behalten, Kassenbelege aufbewahren), sonst drohen Geldstrafen. Und wie bei einem Restaurantbesuch, wo die Bedienung am Tisch bleibt, um die Gäste hinaus zu komplimentieren sobald die Teller leer sind, ensteht unwillkürlich der Eindruck einer kundenunfreundlichen "Kaufen, dann raus" - Mentalität. Und gerade im Hinblick auf die Konkurrenz durch das Internet ist das meiner Meinung nach der falsche Ansatz.

Für mich persönlich jedenfalls hat sich das Bild des Kinobetreibers zum Negativen verändert und ich überlege jetzt zweimal, ob sich ein Kinobesuch (inklusive Anfahrt aus Duisburg) noch lohnt oder ob ich nicht lieber mit Freunden zusammen einen Film zuhause online anschaue.

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Weitere Informationen

Folgende Links enthalten weitere Informationen zu diesem Thema:

 

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Herzlichst, Ihr

Dirk M. Hellmuth